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16. April 2010

Der Darm und seine Beschwerden

Darmbeschwerden können ganz verschiedene Ursachen haben. Akute Probleme wie Verstopfung oder Durchfall treten häufig auf, ganz besonders auf Reisen,

wenn man etwas Falsches gegessen hat oder wenn man unter Stress steht. Chronische Bauchschmerzen können auf den Reizdarm, auf Nahrungsmittelintoleranzen oder auch eine ernsthafte Darmerkrankung hindeuten.

 

Reizdarm

Das Reizdarm-Syndrom ist eine häufige, meist jedoch nicht schwerwiegende Erkrankung des Verdauungstrakts. In Europa sind etwa 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung davon betroffen, überwiegend Frauen. Der Reizdarm äußert sich in wiederkehrenden krampfartigen Bauchschmerzen, Völlegefühl, Stuhlunregelmäßigkeiten und Blähungen. Die genauen Ursachen sind nicht bekannt, doch Mediziner vermuten einen starken Einfluss psychischer Faktoren. Wenn die Beschwerden anhalten oder chronisch auftreten, sollte man sich ärztlich untersuchen lassen, auch um ernsthaftere Krankheiten (z.B. Darmkrebs) auszuschließen. Treten zusätzlich zu den krampfartigen Bauchmerzen auch noch leichtes Fieber und schleimige, teilweise blutige Durchfälle auf, muss an chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa gedacht werden.

 

Die Behandlung des Reizdarms setzt auf die Linderung der Beschwerden. So lassen die Bauchschmerzen oft nach, wenn man konsequent blähende Speisen und Getränke sowie auch scharfe Gewürze, Kaffee, Alkohol und Tabak meidet. Entspannungsmethoden wirken sich positiv auf die Psyche aus, doch auch Antidepressiva werden häufig empfohlen, da diese neben der psychischen Aufhellung durch Erhöhung der Schmerzschwelle den Schmerz lindern. Auch eine Wärmflasche kann die Reizdarm-Beschwerden vorübergehend abklingen lassen. Bei Krämpfen werden krampflösende Mittel (wie Butylscopolamin oder Mebeverin) gegeben.

 

Nahrungsmittelintoleranzen

Magengrummeln, ein aufgetriebener, druckempfindlicher Bauch, Blähungen und Durchfall – in vielen Fällen ist eine Unverträglichkeit gegen bestimmte Nahrungsmittel dafür verantwortlich. Es kann sich dabei um allergische oder pseudoallergische Reaktionen auf einen Nahrungsbestandteil oder Lebensmittel-Zusatzstoff handeln. Mittels einer Suchdiät wird der Arzt ermitteln, um welche Form der Allergie oder Unverträglichkeit es sich bei dem Patienten handelt. Dem Betroffenen bleibt dann kein anderer Weg, als die auslösenden Lebensmittel wegzulassen oder durch unschädliche Alternativen zu ersetzen, beispielsweise laktosefreie Milch.

 

Blähungen

Durch die Verdauung entstehen im Darm unterschiedliche Gase. Wenn sich zu viel Gas bildet, macht sich das durch Völlegefühl, kolikartige Schmerzen und Bauchgrummeln bemerkbar. Wodurch entstehen Blähungen? In den häufigsten Fällen durch eine unausgewogene Ernährung, durch zu reichhaltiges, fettes und schweres Essen oder durch blähende Speisen wie Kohl, Hülsenfrüchte und Zwiebeln. Vorbeugen kann man Blähungen, indem man in Ruhe isst und sorgfältig kaut. Oft löst sich das Problem von selbst „in Luft“ auf, sind die Beschwerden dann doch einmal länger anhaltend und sehr unangenehm, bewähren sich Tees oder Präparate aus Anis, Fenchel, Kamille, Pfefferminze oder Kümmel. Medikamente gegen Blähungen enthalten die Wirkstoffe Dimeticon oder Simethicon. Die beiden Substanzen entschäumen und lösen Gasblasen im Darm auf.

 

Verstopfung

Die Häufigkeit des Stuhlgangs kann sehr unterschiedlich sein und zwei bis drei Tage ohne „großes Geschäft“ liegen durchaus im normalen Rahmen. Von Verstopfung spricht man erst, wenn sich mehrere Wochen hintereinander der Darm nur alle drei bis fünf Tage entleert. Die Ursachen der Verstopfung liegen oft in ballaststoffarmer Kost, Bewegungsmangel, Stress und seelischen Problemen oder zu geringer Flüssigkeitsaufnahme. Dementsprechend kann man der Verstopfung oft schon abhelfen, indem man seine Lebensgewohnheiten umstellt: Häufiges Trinken, viel Bewegung, frisches Obst und Ballaststoffe wie Leinsamen oder Weizenkleie helfen dem trägen Darm auf die Sprünge. Verdauungsanregend wirken Fruchtsäfte, Molke und verdünnter Obstessig. Erweist sich die Verstopfung trotzdem als sehr hartnäckig, sind Indische Flohsamen ein wirksames natürliches Abführmittel. Diese müssen mit viel Flüssigkeit eingenommen werden, dann quellen sie im Darm auf und regen die Peristaltik an. Relativ nebenwirkungsarm sind osmotisch wirksame Abführmittel, die im Darm Wasser binden (z. B. Wirkstoffe wie Lactose, Macrogol). Verlässlich und gut wirken auch synthetische Präparate mit den Wirkstoffen Bisacodyl und Natriumpicosulfat. Für alle Abführmittel gilt jedoch: Sie sollten nicht gewohnheitsmäßig eingenommen werden, sonst wird der Darm noch träger.

 

Durchfall

Durchfall ist eine Funktionsstörung des Darms und sehr häufig das Symptom für einen bakteriellen Magen-Darm-Infekt. Die Erreger sind meistens im Wasser oder in Lebensmitteln zu finden – ein Grund dafür, dass Durchfall nicht selten bei Urlaubsreisen in ferne Länder auftritt. Doch auch Geschmacksverstärker, Farbstoffe oder künstliche Süßstoffe können zu Durchfall führen. Weitere mögliche Auslöser sind seelische und hormonelle Störungen oder Funktionsstörungen von Magen, Darm, Leber und Bauchspeicheldrüse.

Bei Durchfall ist die wichtigste Sofortmaßnahme, möglichst viel zu trinken, damit der Verlust an Wasser und Salzen ausgeglichen werden kann. Empfehlenswert sind Tees aus Heidelbeeren,Brombeer- und Himbeerblättern. Glukose-Elektrolyt-
Mischungen gibt es als Pulver oder Brausetabletten in der Apotheke, sie ersetzen das verlorene Salz. Kohletabletten entziehen dem Körper schädliche Substanzen. Gute Hausmittel bei Durchfall sind fein geriebene Äpfel, Bananen, Reis- oder Haferschleim, aber auch Salzstangen und Zwieback. Medikamente mit den Substanzen Loperamid oder Saccharomyces boulardii dämpfen schnell und wirksam die Symptome und können in der Selbstmedikation bis zu zwei Tagen eingenommen werden. Hält der Durchfall weiterhin an, muss unbedingt ein Arzt hinzugezogen werden.